Linien

Die meisten Leute, die man ein paar Dominosteine aufbauen lässt, stellen sie so weit auseinander, dass sie sich nur gerade so noch umwerfen. Kaum jemand würde einen so engen Abstand wählen wie auf dem Bild - genau so gehören sie aber idealerweise gebaut. Das ist übrigens erst seit dem Domino Day gängige Praxis, davor wurden in den 70ern und 80ern die Steine sogar bei Weltrekorden, also von Profis, in deutlich höherem Abstand aufgestellt.

Das hat zwar den Vorteil, dass weniger Steine pro Sekunde fallen, sodass man nicht ganz so viel arbeiten muss, damit die Steinen schließlich z. B. 30 Sekunden lang fallen. Die Nachteile überwiegen aber: Je weiter man die Steine auseinander stellt, desto eher scheren sie zur Seite aus; man kann weniger Steine auf demselben Raum platzieren als mit kleinerem Abstand, Kurven müssen weiträumiger gebaut werden, viele Tricks sind nicht möglich und allgemein sieht die Bahn etwas chaotischer aus.

Kämme

Um solche Linien jetzt so schnurgerade aufzubauen wie auf dem Foto oben, greift man zu einem Hilfsmittel: Praktischerweise sind nämlich handelsübliche Legosteine minimal breiter als handelsübliche Dominosteine, sodass sich, wenn man die sie in der Form zusammensetzt wie hier links zu sehen, Lücken für die Dominos ergeben, die gerade etwas breiter als die Steine sind. Dadurch ergibt sich eine ideale "Schablone", normalerweise Kamm oder Aufsteller genannt, mit denen man die Steine im Handumdrehen so schön ordentlich aufstellen kann.

Man muss nämlich nicht einmal jeden Stein einzeln, nacheinander in den Kamm stellen, sondern kann mit der richtigen Technik zehn oder mehr Steine in einer schnellen Bewegung einfüllen. Diese Technik (es gibt einige verschiedene, ich stelle hier die vor, mit der ich am schnellsten bin) erkläre ich hier in Videoform.

Natürlich sollte man auch von Hand präzise bauen können und das deshalb oft üben, ich lasse deshalb bei kleinen Strecken den Kamm weg. Außerdem kann der bei vielen Projekten gar nicht zum Einsatz kommen, denn es sind schließlich nur gerade Linien mit ihm möglich.

 

Kurven

Wie man eine Kurve baut, muss ich wohl kaum erklären. Die Steine sollten an der Innenseite zwar nah aneinander stehen, sich aber nicht berühren, damit sie möglichst flüssig fallen.

Als Dominoneuling unterschätzt man gerne mal die Fliehkraft, und es gibt kaum einen ärgerlicheren Break als eine Kurve, die aus der Kurve fliegt. Ich habe ungefähr sechs Jahre gebraucht, bis mir dämmerte, dass sieben Steine nicht für eine sichere 180-Grad-Kurve reichen. Wie viele Steine tatsächlich in eine solche Kurve gehören, darüber kann man streiten. Ich baue sechs Steine in eine 90-Grad-Kurve, wenn ich wenig Platz habe, und sieben oder acht bei mehr Platz (allerdings nur mit „Lampings“ - Domino Express und andere Marken, deren Steine aus Plastik und nach innen ausgehöhlt sind, zwingen einen zu größeren Kurven).

Die "professionelle" Technik sieht allerdings zwölf (!) Steine für eine 90-Grad-Kurve vor. Die Technik stammt vom Domino Day und wird mittlerweile auch bei CDT praktiziert.

Nachdem man, wie auf dem Bild zu sehen, bestimmt hat, wo der letzte Stein der inneren Kurve steht...

...setzt man in die entstehende Lücke zehn Steine ein, sodass die Kurve insgesamt zwölf Steine enthält.

In die äußere Kurve kommen insgesamt vierzehn Dominos, die man jetzt einfach an der inneren Kurve entlang bauen kann.

Natürlich funktioniert das Ganze auch mit nur einer Linie statt mit Doppellinien, aber da bei professionellen Events Doppellinien gebaut werde, habe ich jetzt auch diese zur Illustration benutzt.

Die beiden Dreierblöcke vor und nach der Kurve sorgen übrigens dafür, beide Linien wieder anzugleichen, also wieder "im Gleichschritt" fallen zu lassen, wenn eine schneller fällt als die andere (was sich bei Kurven ja automatisch ergibt). außerdem kann es immer passieren, dass aus irgendeinem Grund nur eine Linie augelöst wird (das konnte man beim Domino Day mehrmals sehen), und auch das korrigiert der Dreierblock.

Dass es zwei davon in so kurzem Abstand gibt, macht man nicht nur der Symmetrie wegen, es hat auch einen Sinn: Der Block nach der Kurve ist wie gesagt zur Synchronisation gedacht, denn die innere, kürzere Kurve fällt natürlich in jedem Fall schneller als die äußere, wenn auch nur um zwei Steine. Mit dem vorderen Block stellt man sicher, dass nicht die innere Kurve schon fällt, bevor die andere Linie an der Kurve ankommt - dann könnten die Steine, die nach außen gedrückt werden, die äußere Kurve berühren und eventuell in die falsche Richtung fallen lassen.

Ja, die einfachsten Techniken sind manchmal doch nicht so simpel :D

 

Felder, Teil 1

Felder sind mit Abstand die häufigste Technik, bei vielen Bauern sogar praktisch die einzige, wodurch das Ganze natürlich furchtbar langweilig wird. Aber praktisch kein größeres Projekt kommt ohne Felder aus.

Wie nicht schwer zu erraten sein müsste, sind Felder einfach mehrere Linien nebeneinander, die in der Regel einen Schriftzug oder ein Bild ergeben.

Beim Bauen sollte man darauf achten, dass sich die Linien an keinem Punkt berühren. Dadurch würden sie sich beim Fallen mitreißen, und es sieht einfach schöner aus, wenn sie gleichmäßig Reihe für Reihe fallen. Dazu reicht aber, wenn die Linien schnurgerade gebaut sind, schon ein Abstand von zwei Millimetern (!), und wenn sie noch etwas schnörkelig sind, ein halber Zentimeter.

 

SCHRIFTZÜGE

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Zum Planen von Feldern mit komplizierteren Motiven komme ich unter "Für Eingestiegene". Buchstaben und Zahlen sind allerdings relativ einfach, man muss sie außerdem nicht jedes Mal neu planen, sondern kann sie entweder hier "abgucken" oder braucht überhaupt keinen Plan mehr - man hat das Ganze bald im Kopf.

Achtung: Auf diesem Raster stehen immer zwei übereinanderliegende Quadrate für einen Stein (von oben betrachtet sind Steine ja nicht quadratisch, sondern rechteckig). Die Buchstaben sind also fünf Steine hoch, nicht etwa zehn.

Das Feld sollte dann aber aus sieben Reihen bestehen - oben und unten noch eine "leere" als Rand, das sieht einfach besser aus.

Wenn man mehr Steine zur Verfügung hat, sollte man natürlich auch größere Buchstaben bauen, das sieht besser aus. Fünf ist aber die Minimalgröße, mit der alle Buchstaben möglich sind.

ANSTOSSTECHNIKEN

Die gebräuchlichste Art, ein Feld anzustoßen, benutze ich selbst witzigerweise nie. Auf dem Foto (das von CDT 2010 stammt) sieht man einen sogenannten Fieldtoppler: Eine Plexiglasschiene, die an festgeklebte Metallplättchen angelehnt ist. Fieldtoppler haben den Vorteil, dass sie praktisch immer funktionieren (wie sollten sie auch stehenbleiben). Beim Domino Day kommen sie häufig zum Einsatz.

Ich habe mir solche Dinger schlicht und einfach nie zugelegt, weil es, siehe unten, genügend andere Möglichkeiten gibt, ein Feld anzustoßen, und ich eben am liebsten so wenige Requisiten benutze wie möglich.

Neben dem Fieldtoppler ist diese Technik die einfachste und sicherste, aber sozusagen auch die langweiligste.

Obwohl sie eine der elementarsten Techniken ist, gibt es merkwürdigerweise keinen einheitlich benutzten Namen dafür. Ich sage "Fächer" (wie das Ding zum Luftzuwedeln, nicht der Plural von Fach) dazu, weil das der erste Name war, der mir als siebenjähriges Kind einfiel ;-)

Zu diesen beiden Techniken lassen sich viele Varationen finden - schließlich müssen die einzelnen Blöcke nicht unbedingt der Reihe nach ausgelöst werden. Die beliebteste dürfte diejenige sein, die unter anderem beim Endfeld von CDT 2010 benutzt wurde. Immer wieder schön ist auch diese Variante.

Wenn sie sauber gebaut ist, kann man auch für diese Technik seine Hand ins Feuer legen. Man sollte bloß darauf achten, dass die Steine ziemlich genau im Winkel von 45 Grad zum Feld stehen; wenn der Winkel zu spitz oder zu stumpf ist, kann es mit ein bisschen Pech passieren, dass die Steine hängenbleiben.

Etwas häufiger wird allerdings diese Technik benutzt - obwohl sie meiner Einschätzung nach heikler ist. Es kommt vor, dass hierbei in einem großen Feld eine oder zwei Linien nicht ausgelöst werden, und dann sieht das Feld nach dem Fallen aus, als hätte jemand mit Filzstift einen dicken Strich über ein Bild gezogen. Ich plädiere also eindeutig für die obere Methode. Beide haben übrigens keinen Namen - das ist bei vielen Techniken ein Problem: Man muss sie im Gespräch mit anderen Dominobauern ausführlich beschreiben und kann nicht einfach einen Fachbegriff benutzen.

Walls / 2D-Pryamiden

Walls und 2D-Pyramiden sind die einfachsten 3D-Konstruktionen (theoretisch sind 2D-Pyramiden schließlich natürlich dreidimensional, ihren Namen haben sie zur Unterscheidung von 3D-Pyramiden, siehe unten) und fallen relativ zuverlässig. Wirklich beachtlich sind sie deshalb eigentlich nur, wenn sie ein Motiv zeigen oder einfach ein bisschen gigantisch sind.

 

Erster Schritt...

Zweiter Schritt...

Dritter Schritt (wieder wie der erste)...

Vierter Schritt - normalerweise NICHT wie der zweite. In der Regel stellt man die Steine jetzt auf die andere Seite als beim zweiten Schritt.

Daraus wird dann entweder eine Wall...

...oder, wenn man das Ganze bis zur Spitze fertigbaut, eine 2D-Pyramide.

 

 

 

 

 

 

 

3D-Pyramiden

3D-Pyramiden sind noch relativ neu, aber längst eine der Standardtechniken. Allerdings lassen sie sich nicht großartig variieren.

Im Prinzip sind sie alles andere als kompliziert zu bauen, siehe unten. Der Haken an der Sache ist der, dass ein einziger noch so kleiner Fehler reicht, um alles einzureißen. Wenn man also eine große Pyramide mit Tausenden von Steinen baut, passiert es leicht, dass man sich 1486 Steine lang gut konzentriert hat, und beim 1487. Stein passt man nicht so genau auf, er rutscht einem beim Hinstellen weg - und schon darf man komplett von vorne anfangen.

Wer sich von dieser Warnung nicht abhalten lässt, kann sich hier ansehen, wie man eine Pyramide baut:

Im Grunde sind sie noch simpler als Walls - hier hat man nur zwei Schritte, die sich wiederholen und dann auch noch praktisch dieselben sind, bloß gespiegelt. Erstens diesen...

...und zweitens diesen.

Wieder der erste Schritt. Und so weiter.

Wie auch 2D-Pyramiden und Walls können 3D-Pyramiden einfach mit einer normalen Linie umgeworfen werden.

Auch eine 3D-Pyramide braucht mindestens sieben Stockwerke, um einigermaßen verlässlich zu fallen.

Dabei gibt man die Größe üblicherweise übrigens nicht mit der Anzahl der Stockwerke an, sondern mit der Länge und Breite der Grundfläche - in diesem Fall 5x5.

Der inoffizielle Weltrekord in dieser Kategorie ist umstritten (siehe Über Domino / Rekorde).

3D-Pyramiden fallen immer (es bleiben höchstens manchmal einige Steine am Rand stehen), wenn sie sauber gebaut wurden. Sie können nur dann stehenbleiben, wenn die Steine zu nah aneinandergequetscht sind. Darin liegt noch eine Schwierigkeit: Vor allem die untersten Schichten muss man sehr präzise bauen, denn kleine Fehler schaukeln sich mit jeder Ebene weiter auf, und dann hat man schnell eine Pyramide, die auf der einen Seite auseinandergezogen ist und auf der anderen zusammengedrückt.

Hier habe ich eine Liste zusammengestellt, wie viele Steine die Pyramiden bis 30x30 enthalten.