Wie es begann...

Wie sehr viele Kollegen kam ich zu Domino durch den Domino Day - dabei gehöre ich allerdings zu der ganz "alten Garde", die ihn (fast) von Anfang an verfolgt hat und quasi damit aufgewachsen ist. Die meisten meiner heutigen Kollegen sind erst 2005 oder später "eingestiegen", oft auch einfach, weil sie später geboren sind. Umgekehrt sind von denjenigen, die schon seit 1998 oder 1999 Dominofans sind, nur die wenigsten heute noch aktiv.

Meine Mutter hatte den Domino Day 1998 schon gesehen, ich nicht; als 1999 die nächste Ausgabe anstand, meinte sie, das sollten wir uns mal anschauen, das sei letztes Jahr ziemlich interessant gewesen. Natürlich konnte sie nicht ahnen, dass sie gerade das Leben ihres siebenjährigen Sohnes ziemlich entscheidend beeinflusste ;-)

Leider habe ich nicht mehr die geringste Erinnerung daran, wie ich den Domino Day dann eigentlich fand. Ich vermute mal, es hat mir gefallen... aber ob ich gleich wirklich fasziniert war oder ob ich einfach auf die Art begeistert war, wie Kinder eben ständig von etwas begeistert sind, weiß ich nicht mehr.

Am nächsten Tag kramten wir die 28 Spielsteine hervor, die wir im Haus hatten (diese Steine habe ich übrigens immer noch), und probierten uns einfach mal spaßeshalber daran.

Normalerweise findet man so etwas als kleines Kind eine Weile lang extrem spannend, und dann vergisst man es wieder. Aber in diesem Fall... na ja, seltsamerweise hörte ich in diesem Fall nie so ganz auf. Irgendwie ist es immer weitergegangen, bis nach ein paar Jahren klar war, dass Domino nicht mehr aus meinem Leben wegzukriegen und auch längst mehr als ein Kinderspiel geworden war.

Aber der Reihe nach. Anderthalb Monate später war Weihnachten, und nach dem Domino Day hatte ich mir natürlich mehr Steine gewünscht als die 28.

Ob ich dazwischen noch öfter mit den 28 rumspielte oder die ganze Sache an Weihnachten eigentlich schon wieder vergessen hatte, weiß ich nicht mehr. Ich kann mich aber außer dem Tag nach dem Domino Day an keine Gelegenheit erinnern, wann ich bis Weihnachten wieder Dominos angerührt hätte.

Die 250 Steine, die ich dann an Weihnachten geschenkt bekam, waren für mich als Siebenjähriger ein Riesenhaufen.

Direkt nach der Bescherung begann ich vorm Weihnachtsbaum die Steine aufzubauen; meine Mutter war so vorausschauend, das Ergebnis, meine erste richtige „Dominobahn“, wie ich damals zu sagen pflegte, mit dem nebenstehenden Foto festzuhalten.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich beim Bauen ein Gefühl hatte wie: Langsam wird das aber eine ziemlich große Sache mit dem Domino! Und ich lernte zum ersten Mal dieses tolle Gefühl kennen, einen Schritt zurückzutreten und den Steinen beim Fallen zuzusehen.

Dieses Gefühl ließ mich nicht mehr los – damit sind im Grunde die nächsten beiden Jahre erzählt; mehr Dominos kamen hinzu, bald auch die Plastiksteine von Domino Express.

Wenn ich mir heute die Fotos von den Bahnen anschaue, die ich damit dann gebaut habe, rätsele ich, wie ich damals so begeistert davon gewesen sein kann, Linien zu bauen; denn das war im Grunde alles. Wahrscheinlich war einfach die schiere Größe spektakulär genug für eines kleines Kind.

So habe ich bis 2002 kaum auch nur Muster oder Formen gebaut; ich weiß nicht, wann ich meine erste Dominospirale gebaut habe, aber 1999 war es bestimmt nicht. Ich habe lieber sämtliches Spielzeug, das ich finden konnten, in die normalen Linien eingebaut (ich baute meistens in einem Kinderzimmer, das mehr oder weniger leerstand, das aber eigentlich für alle drei Geschwister gedacht war, sodass meine Schwestern einiges an Toleranz aufbringen mussten). Meiste erste Mauer aus Dominos habe ich sogar erst 2005 gebaut, nach sechs Jahren!

Und Felder entdeckte ich auch erst ab 2004 für mich, obwohl ich sie ja vom Domino Day längst kannte. 2000 hatte ich zwar (nach dem riesigen Endfeld beim Domino Day) schon ein Feld gebaut, aber ohne Motiv; bis die ins Spiel kamen, dauerte es, wie gesagt, bis 2004. Das Bild zeigt meinen allerersten Feldplan vom 21. Oktober 2004 - ich habe von Anfang an fast alle in einem Ordner aufbewahrt.

In den Jahren 2000 bis 2003 habe ich dann etwa alle drei Monate eine größere Bahn gebaut, wobei allerdings mein Rekord an umgefallenen Steinen schnell bei 2656 Steinen "festgefroren" war - diesen Rekord zeigt das Foto, er fand Anfang 2001 statt - und dort bis 2006 blieb.

Daneben war Ende 2001 eine andere Sache ins Rollen gekommen: Nachdem wir erfahren hatten, dass in zwei Familien, die wir noch aus dem Dorf kannten, wo wir vor 1999 gewohnt hatten, auch das Dominofieber ausgebrochen war, stand schnell der Entschluss, zusammen einen "Domino Day" zu veranstalten.

In besagtem Dorf gibt es eine leerstehende Kirche, die wir zu einem wirklich niedrigen Preis für einen Tag mieten durften; schätzungsweise 50 Quadratmeter hatten wir dort Platz zum Bauen.

Am 3. Januar 2002 fand dort unser erster "Domino Day" statt, mit etwa 10 000 Steinen, sieben oder acht Stunden Zeit und gut einem Dutzend Aufbauern.

Ich war völlig in meinem Element. Mir kam der Tag erstaunlicherweise unendlich lang vor - normalerweise scheint alles, was einem gefällt, ja schneller vorbeizugehen, als man gucken kann. Jedenfalls fühlte es sich an wie der schönste Tag meines Lebens - worüber ich heute selbst nur grinsen kann, aber ich war eben immer noch ein Kind.

Am Ende des Tages standen 9185 Steine. Ich nehme stark an, dass die nicht alle an einem Stück fielen, sondern mehrmals angestoßen werden mussten, kann mich aber nicht erinnern. Dabei gibt es sogar Aufnahmen vom Falldown (der Vater eines Aufbauers filmte), die habe ich aber nie zu Gesicht bekommen. Aber Weltklasse erreichte die Bahn ganz sicher nicht ;-) Aber dafür, dass wir größtenteils noch Kinder und ansonsten nicht besonders erfahrene Bauer waren, konnte sich das Ergebnis sehen lassen, es sah alles schön bunt und kreativ aus.

Damit war eine Tradtion geboren - es folgten noch sieben weitere dieser Domino Days. Es stellte damals eine existentiell wichtige Frage für mich dar, ob und wann der nächste stattfinden würde. Einmal musste einer abgesagt werden, und ich war todunglücklich - das war eine Katastrophe. Kinder haben oft eine ziemlich dramatische Sicht der Dinge, und das war bei mir, wenn es um Domino ging, noch einmal ungewöhnlich stark der Fall. Meine Eltern müssen sich damals sicher schon gedacht haben, dass mich dieses Hobby nicht so schnell loslassen würde.

Ab dem fünften oder sechsten Mal war ich dann aber doch etwas gelassener geworden, denn mittlerweile war ich logischerweise auch etwas älter geworden. Bei der siebten Ausgabe stellten wir am 3. Januar 2005 mit 12 662 unseren Rekord auf - wobei es uns von jeher auf die aufgebauten Steine ankam, denn Pausen beim Falldown gab es immer, soweit ich mich erinnere.

Aber dafür waren die Projekte teilweise wirklich schön, wenn man unser Alter bedenkt. Ich war eher für die Tricks zuständig; ein anderer Junge in etwa meinem Alter baute gerne Schlangenlinien, Abzweigungen, einfach ein großes Labyrinth an Linien; mal baute er den ersten Teil der Bahn und ich den letzten, mal umgekehrt.

Den mittleren Teil bildete nämlich immer die dritte Familie, die zu viert baute und deshalb auch am meisten Steine beisteuerte - und zwar immer in Form von relativ schwierigen Feldern, von denen ich schwer beeindruckt war. Dieses "Malen" mit den Steinen hatte ich damals noch nicht im Repertoire. Das spektakulärste Beispiel ist sicher dieses Halloween-Bild. Beim Bauen fielen dabei übrigens dauernd Teile um, und als es dann fallen sollte, streikte es natürlich.

Meistens fanden sich dann noch drei oder vier Bekannte, die einen eigenen kleinen Teil bauten oder bei den Verbindungslinien halfen. Bei letzten Mal war das Team aber nur noch sehr spärlich, schon der "harte Kern" hatte nur mit Hängen und Würgen noch einmal zusammengekratzt werden können - eben deshalb war es das letzte Mal. Unseren Rekord konnten wir mit so wenigen Bauern nicht noch einmal überbieten, 11 200 Steine schafften wir. Das war am 26. Oktober 2005.